MdB Westermayer besucht BBF in Bad Waldsee

BAD WALDSEE - Am Samstag, den 11. Juni 2016, besuchte der CDU-Bundestagsabgeordnete Waldemar Westermayer das neue Bildungs-, Begegnungs- und Förderzentrum (BBF) in Bad Waldsee anlässlich des dortigen Tags der offenen Tür. Die Werkstätten wurden im September 2015 eröffnet und sind das Ergebnis der Kooperation zweier Träger: der St. Gallus-Hilfe und der Integrations-Werkstätten Oberschwaben (iwo).

Sie bieten bis zu 48 Plätze für behinderte Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Die Menschen sind von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags in der Einrichtung und werden von zehn Fachkräften individuell betreut und gefördert. Und sie arbeiten – in ihrem Tempo und im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Begrüßt und herumgeführt wurde der Abgeordnete von Dirk Weltzin, dem Geschäftsführer der iwo, und Michael Worschischek, Leiter Bereich Arbeit und Bildung der St. Gallus-Hilfe. Die Räume sind hell und modern ausgestattet. An Mitmach-Stationen konnten die Besucher nacherleben, was es heißt, wenn Motorik und Sinnesorgane eingeschränkt sind. Selbst vermeintlich einfache Aufgaben werden dann zu einer Herausforderung. Zum Beispiel braucht es mit einer Schwimmbrille vor den Augen und Ofenhandschuhen an den Händen die volle Konzentration, um kleine Plastikstifte ineinander zu stecken. Und man braucht nicht nur länger, sondern man ermüdet auch schneller. In anderen Räumen wurden konkrete Arbeitsplätze gezeigt. An diesen werden einfache Tätigkeiten für die Industrie ausgeführt, wie das Zusammenstecken von Plastikteilen oder das Umverpacken von Waren. In einer kleinen Schreinerei werden aus Einwegpaletten Geschenkkörbe gefertigt.

Im Anschluss an den Rundgang fand eine Besprechung des Abgeordneten mit Dirk Weltzin und Michael Worschischek statt. Mit am Tisch saß der Bürgermeister der Stadt Bad Waldsee, Roland Weinschenk. Vorherrschendes Thema war das neue Bundesteilhabegesetz, das momentan im Kabinett diskutiert wird. Es hat zum Ziel, den 7,5 Millionen Schwerbehinderten in Deutschland zu mehr Rechten zu verhelfen . Sie sollen besser wählen können, wo und wie sie leben. Sie sollen Geld ansparen können, Barrieren sollen abgebaut, die Gleichberechtigung soll gestärkt werden.

Die Bundesregierung will mit dem Gesetz die UN-Behindertenkonvention umsetzen. Diese verlangt, dass die Hilfe für Behinderte nicht nur als Fürsorge, sondern als Chance zur umfassenden gesellschaftlichen Teilhabe begriffen wird. Im Gespräch wies Weltzin auf die Punkte hin, die seiner Meinung nach noch verbesserungsfähig seien. So sieht er die Gefahr, dass Menschen mit hohem Hilfebedarf weiterhin vom Arbeitsleben ausgeschlossen bleiben, da sie das bisher gültige Kriterium des „Mindestmaßes an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung“ nicht erfüllen.

Westermayer sicherte zu, sich mit den vorgetragenen Punkten auseinanderzusetzen und in Berlin auf eine Verbesserung des bisherigen Entwurfs hinzuwirken. Das Gesetzgebungsverfahren sei ja noch lange nicht abgeschlossen. Abschließend erklärte er: „Die positiven Effekte von Arbeit sind unbestritten: Sie bietet eine Tagesstruktur und stärkt das Selbstwertgefühl. Die Werkstätten leisten hier eine großartige Arbeit. Diese soll mit dem neuen Gesetz gefördert und nicht eingeschränkt werden - aber ohne unsere Sozialsysteme zusätzlich zu belasten. Der Schlüssel hierfür liegt in einer indivi-duellen Bewertung des Unterstützungsbedarfes jedes einzelnen Menschen.“

Text: Sybille Glatz
Fotos: Clemens Riedesser