10 Jahre CAP-Markt – 10 Fragen an IWO-Geschäftsführer Dirk Weltzin und Marktleiter Oliver Oelhaf

WEINGARTEN – Ein drohender Leerstand im Herzen der Stadt Weingarten ist vor genau zehn Jahren verhindert worden. Im Oktober 2008 eröffneten die Integrations-Werkstätten Oberschwaben (IWO) in der ehemaligen Plus-Filiale an der Kirchstraße einen sogenannten CAP-Markt. Dort verkaufen Menschen mit Behinderung frische Lebensmittel. Wir haben mit IWO-Geschäftsführer Dirk Weltzin und Marktleiter Oliver Oelhaf anlässlich der Jubiläumswoche vom 8. bis 13. Oktober gesprochen.

Herr Weltzin, wie fällt Ihr Fazit aus nach zehn Jahren?
Dirk Weltzin: Durchweg positiv. Alle Beteiligten haben gewonnen: die Kunden, die Bürger haben einen innerstädtischen, barrierefreien Nahversorger, die Mitarbeiter mit Behinderung einen attraktiven Arbeitsplatz und die IWO hat die Vielfalt ihrer Arbeitsplätze entscheidend erweitert.

Der Erfolg gibt Ihnen Recht. Haben Sie zu Beginn bereits damit gerechnet?
Weltzin: Ich würde sagen, wir haben immer daran geglaubt. Der Weg war nicht immer einfach, aber im Sinne unserer Mitarbeiter und Kunden hat es sich gelohnt und ist bis heute jede Anstrengung wert. Und wir haben ein motiviertes und tolles Team, das täglich zuverlässig und fleißig für diesen Erfolg arbeitet. Davor habe ich großen Respekt und bin auch stolz darauf.

Damals hieß es, man strebe eine schwarze Null an. Kann sich der CAP-Markt inzwischen betriebswirtschaftlich tragen?
Weltzin: Ja, wir können mit Stolz sagen, dass sich unser CAP-Markt inzwischen betriebswirtschaftlich selber tragen kann. Das ist nicht selbstverständlich und nicht alle CAP-Märkte schaffen das.

Seit 2010 ist die IWO auch mit’m Radl da – und zwar mit dem Lieferservice „iwo bringt’s zu Dir“. Menschen mit Behinderung bringen vorher bestellte Ware vom Geschäft direkt nach Hause. Wie hat sich dieses Angebot entwickelt?
Weltzin: Doch etwas verhaltener, als damals erhofft. Vielleicht waren wir hier unserer Zeit etwas voraus. Aber auch diese Dienstleistung hat sich etabliert und ist für viele Kunden eine große Unterstützung. Inzwischen kommen auch Gewerbetreibende auf uns zu und nutzen den Bestellservice des CAP-Marktes und den E-Bike-Lieferservice.

Inwiefern trägt der CAP-Markt zum Thema Inklusion bei?
Weltzin: Er schafft gesellschaftlich relevante und sichtbare Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Die Arbeit findet nicht anonym in der großen Werkstatt, sondern mitten in der Gesellschaft statt. Das soll die Leistung unserer anderen rund 300 Mitarbeiter*innen mit Behinderung selbstverständlich nicht schmälern. Die Mitarbeiter des CAP-Marktes zeigen stellvertretend für alle, was Menschen mit Behinderung mit den entsprechenden Rahmenbedingungen leisten können und auch wollen. Und unsere Kunden, die Gesellschaft, nehmen das tagtäglich sehr anerkennend wahr.

Herr Oelhaf, Sie sind seit Dezember 2012 Leiter des CAP-Marktes in Weingarten. Was hat Sie dazu bewogen, bei einem CAP-Markt einzusteigen?
Oliver Oelhaf: Ich wollte eigentlich nochmal eine Ausbildung im sozialen Bereich machen. Mit meinem Einstieg beim CAP-Markt habe ich dann zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Menschen mit Behinderung verkaufen hier Lebensmittel. Ist das inzwischen Normalität geworden in Weingarten, oder sprechen die Kunden Sie oder die MitarbeiterInnen im Markt noch darauf an?
Oelhaf: Das ist in Weingarten Normalität. Die Menschen mit Behinderung gehören dazu.

Wie viele Menschen mit Behinderung sind derzeit im CAP-Markt beschäftigt?
Oelhaf: Aktuell arbeiten elf Menschen mit Behinderung in unserem Geschäft.

Wie hat sich das Sortiment über die Jahre verändert? Gehen Sie auf Kundenwünsche- oder anfragen ein?
Oelhaf: Ja, unser Sortiment ist gewachsen und beinhaltet auch viele Spezialitäten. Stand heute verfügen wir über 8800 Artikel. Aufgrund von Schließungen mancher Mitbewerber haben wir ganz bestimmte Artikel mit aufgenommen wie Zurwieser Joghurt oder Alnatura-Produkte. Überhaupt bieten wir immer mehr Bio-Artikel an, weil die Menschen beim Einkauf zunehmend großen Wert auf Nachhaltigkeit, Regionalität, Bio und auch Fairtrade-Produkte legen. Wenn wir den Platz und die Möglichkeiten haben, dann versuchen wir gerne auf solche Wünsche und Anfragen einzugehen, um unsere Kunden zufriedenzustellen.

Was erwartet diese Kunden in der Jubiläumswoche?

Oelhaf: Wir haben für die Jubiläumswoche vom 8. bis 13. Oktober ein kleines Programm zusammengestellt mit tollen Aktionen, einem Glücksrad, leckeren Verköstigungen und entsprechender Beratung. Und es gibt zehn Prozent Rabatt auf (fast) alles. Es ist für Groß und Klein was dabei.

 

INFO:
Menschen mit Behinderung, also Menschen mit Handicap, sind das Herzstück der CAP-Lebensmittelmärkte. Daher auch die Namensgebung: „CAP“ ist die Kurzform von „Handicap“, dem englischen Wort für Behinderung. Grundgedanke ist die Verbesserung der Arbeitsplatzsituation und die Erweiterung der Möglichkeiten für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Bundesweit gibt es aktuell 104 CAP-Märkte auf Franchise-Basis, in denen rund 850 MitarbeiterInnen mit Behinderung einen sicheren Job haben – außerhalb der geschützten Werkstätten: mitten im Leben und voll integriert.