Eröffnung
WEINGARTEN - Die Versorgungslücke ist geschlossen, die Eingangstüren ab sofort geöffnet: Seit Donnerstag bietet der CAP-Lebensmittelmarkt im Herzen Weingartens Frischeprodukte für den täglichen Bedarf. Tags zuvor hatten die Integrationswerkstätten Oberschwaben (IWO) zu einer kleinen, offiziellen Einweihungsfeier geladen.
Das neue Geschäft in Weingarten sichert nicht nur Anwohnern das Angebot an Milch, Butter und Gemüse quasi direkt vor ihrer Haustür; der CAPMarkt bietet vor allem Menschen mit Behinderung eine sichere Arbeitsstelle - der Grundgedanke der im Jahr 1999 erstmals umgesetzten CAP-Idee. Denn CAP leitet sich von "Handicap" ab: Behinderung. Bundesweit gibt es inzwischen rund 60 solcher gemeinnütziger CAP-Märkte auf Franchise-Basis. Im Oktober kommt ein weiterer hinzu: in Weingarten.
"Ich freue mich schon riesig auf meine neue Arbeit", sagte Sieglinde Keller und ihre Augen glänzten. Der Mitarbeiterin mit Handicap ging es genauso wie ihren Kolleginnen und Kollegen, die dem Start des CAP-Marktes förmlich entgegenfieberten. Aber auch die Augen der Vertreter aus Politik, Verwaltungs-, Aufsichts- und Gemeinderäten, Landkreis, Agentur für Arbeit oder der Hausgemeinschaft leuchteten. Nicht nur ob des beeindruckenden Anblicks des neuen Lebensmittelmarktes, der sich hell, freundlich, geräumig und mit einem umfangreichen Sortiment präsentiert; sondern auch deshalb, weil allesamt dem Projekt beste Aussichten prophezeien. Auch und gerade des Standortes wegen, den nicht nur Egon Streicher für "herausragend" hält. Streicher ist Geschäftsführer der Oberschwäbischen Werkstätten und Wohnformen für Menschen mit Behinderungen (OWB), neben dem Körperbehinderten-Zentrum Oberschwaben (KBZO) eine der beiden IWO-Mütter. Und auch Hans Ulrich Karg und Matthias Stöckle, die beiden KBZO-Vorstände, äußerten sich voll des Lobes über die Realisierung "dieses rundum gelungenen Marktes", an dessen Anfang der "Pioniergeist von IWO-Geschäftsführer Dirk Weltzin" stand, wie es Rainer Kapellen formulierte. Weingartens Bürgermeister sagte, Weltzin habe mit seiner Idee bei allen Beteiligten "Ehrgeiz und Teamgeist" geweckt. Und das in einer Zeit, in der Weingarten von einer intensiven Versorgungsdiskussion heimgesucht worden war. Kapellen sprach von einem "Glücksmoment, bei dem alles zusammengepasst hat". Der CAP-Markt zeige, dass Integration möglich ist.
Und diese Integration war oberste Motivation, die Dirk Weltzin bei seinem Vorhaben angetrieben hat. "Für die hier beschäftigten Menschen mit Behinderungen soll der CAP-Markt ein neuer Lebensmittelpunkt sein", betonte der IWO-Geschäftsführer bei seiner Ansprache. Neben der Bereitstellung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Handicap - von dieser englischen Vokabel leitet sich der Begriff CAP-Markt ab - werde auch die innerstädtische Versorgungsstruktur mit frischen Lebensmitteln sichergestellt. So habe die IWO durch die Eröffnung des CAP-Lebensmittelmarktes den gesetzlichen und auch gesellschaftlichen Auftrag gleich in mehrfacher Hinsicht erfüllt. Weshalb sich Weingartens Oberbürgermeister Markus Ewald "froh und stolz" zeigte, "dass Weingarten jetzt auch einen CAP-Markt hat".
Wie Ewald begrüßten Josef Kesenheimer von der Agentur für Arbeit und Siegfried Ungewitter, der Leiter des Eingliederungs- und Versorgungsamtes, als maßgebliche Kostenträger die besonderen Chancen dieser arbeitsmarktorientierten Beschäftigungsform und die Qualifizierungsmöglichkeiten eines solchen Projekts. "Menschen definieren ihren Wert über die Arbeit und Arbeit wiederum bedeutet Anerkennung", sagte Ungewitter.
INFO: CAP-Lebensmittelmarkt, Kirchstraße 7, 88250 Weingarten,
